Grundlagen

Wirkungsorientierung

Eine Einführung in Begriffe, Modelle und Arbeitsschritte, zum Nachlesen, Weitergeben und Weiterverwenden. Die Seite fasst verbreitete Grundlagen zusammen und verweist auf die Quellen, die tiefer gehen.
Lesezeit rund 8 Minuten
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Was ist Wirkungsorientierung?

Wirkungsorientierung ist eine Arbeitsweise, die ein Vorhaben von der angestrebten Veränderung her plant und steuert statt von der Maßnahme her. Sie beginnt mit der Frage: Was soll sich durch dieses Vorhaben verändern, und für wen? Erst danach folgt die Frage, was dafür getan wird.

Der Unterschied klingt klein und verändert die Planung erheblich. Wer bei der Maßnahme beginnt, beschreibt Tätigkeiten. Wer bei der angestrebten Veränderung beginnt, kommt oft auf mehrere Wege dorthin und kann sie vergleichen.

Wirkungsorientierung verlangt keine Messbarkeit für alles. Sie verlangt, dass Sie aussprechen, was Sie erreichen wollen, welche Annahmen dahinterstehen und woran Sie merken würden, dass es nicht eintritt.

Wofür der Begriff nicht steht

Wirkungsorientierung ist kein Kontrollinstrument und kein Sparprogramm. Wer sie zur Rechtfertigung nutzt, bekommt geschönte Berichte. Ihr Nutzen liegt im Lernen während der Umsetzung.

Was ist der Unterschied zwischen Output, Outcome und Impact?

Output ist das, was Sie herstellen. Outcome ist die Veränderung bei den erreichten Menschen. Impact ist die weiterreichende Veränderung im Umfeld. Die drei Begriffe stammen aus dem international verbreiteten IOOI-Modell (Input, Output, Outcome, Impact). Viele vermischen sie; die Trennung ist der erste praktische Schritt.

Output, Outcome und Impact im Vergleich: Definition, Beispiel und Grenze
EbeneWas sie beschreibtBeispiel aus einer GemeindeWas sie nicht belegt
OutputWas Sie tun und herstellen: Veranstaltungen, Beratungen, Materialien, geschaffene Zugänge. Zählbar.Drei beschattete Plätze, an 40 Hitzetagen geöffnetOb jemand sie nutzt und ob sich dadurch etwas ändert
OutcomeWas sich bei den erreichten Menschen ändert: Wissen, Fähigkeiten, Verhalten, Lebenslage. Hier liegt die Wirkung eines Projekts.Ältere Menschen verlassen an Hitzetagen wieder das HausDass allein Ihr Vorhaben die Ursache war
ImpactWas sich im weiteren Umfeld ändert: in einem Ort, einer Branche, einem Politikfeld.Weniger hitzebedingte Notfälle im OrtEine Zurechnung zu einem einzelnen Vorhaben

Faustregel für die Abgrenzung: Wenn sich ein Wert allein dadurch erhöhen lässt, dass mehr gearbeitet wird, ist es ein Output. Ein Outcome hängt zusätzlich davon ab, ob die Leistung bei den Menschen ankommt und dort etwas verändert.

Was ist die Wirkungstreppe?

Die Wirkungstreppe gliedert Output, Outcome und Impact in sieben Stufen und macht sichtbar, auf welcher Ebene ein Vorhaben tatsächlich wirkt. Sie stammt aus dem Kursbuch Wirkung von PHINEO und der Bertelsmann Stiftung und hat sich als gemeinsame Sprache durchgesetzt. Ihr Nutzen liegt weniger im Aufstieg als in der ehrlichen Verortung.

Die sieben Stufen der Wirkungstreppe mit Ebene und Erhebungsaufwand
StufeWas auf ihr erreicht istEbeneErhebungsaufwand
1Angebote finden stattOutputfällt nebenbei an
2Die Zielgruppe wird erreichtOutputTeilnahmeliste
3Die Zielgruppe ist zufriedenOutputkurze Rückmeldung
4Wissen und Fähigkeiten ändern sichOutcomezwei Erhebungszeitpunkte
5Das Handeln ändert sichOutcomeNachbefragung nach Monaten
6Die Lebenslage ändert sichOutcomelängerer Zeitraum, mehrere Quellen
7Die Gesellschaft verändert sichImpacteinem Projekt kaum zurechenbar

Die meisten Projekte wirken auf den Stufen 4 bis 6. Stufe 7 lässt sich einzelnen Vorhaben fast nie zurechnen. Jede Stufe kostet mehr Erhebungsaufwand als die darunter: Teilnehmerzahlen fallen nebenbei an, eine Verhaltensänderung braucht eine Vorher- und eine Nachhererhebung.

OUTPUT · WAS WIR TUN OUTCOME · WAS SICH BEI MENSCHEN ÄNDERT IMPACT 1 Angebotefinden statt 2 Zielgruppewird erreicht 3 Zielgruppe istzufrieden 4 Wissen undFähigkeitenändern sich 5 Handelnändert sich 6 Lebenslageändert sich 7 Gesellschaftverändert sich DARSTELLUNG NACH PHINEO / BERTELSMANN STIFTUNG
Die sieben Stufen als Balken. Dieser Inhalt wurde vollständig mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Wie läuft wirkungsorientiertes Arbeiten ab?

Wirkungsorientierung läuft als Kreislauf aus fünf Schritten: verstehen, planen, umsetzen, analysieren, verbessern. Die Schritte wiederholen sich je Projektzyklus, nicht einmalig zu Projektbeginn.

  1. 1
    Verstehen

    Ausgangslage und Bedarf klären: Wer ist betroffen, wie viele, woran erkennt man das? Zwei Quellen genügen für den Anfang: vorhandene Daten und Gespräche mit Menschen, die die Zielgruppe kennen.

  2. 2
    Planen

    Die Wirkungslogik aufbauen: von der angestrebten Wirkung rückwärts zu den Leistungen und Aktivitäten. Sprechen Sie dabei die Annahmen zwischen den Stufen aus und notieren Sie sie.

  3. 3
    Umsetzen

    Durchführen und dabei beobachten. Hängen Sie Erhebungen in bestehende Abläufe ein, statt sie danebenzustellen.

  4. 4
    Analysieren

    Auswerten und einordnen: Was hat sich verändert? Woran könnte es außer dem Vorhaben noch liegen? Was bleibt offen?

  5. 5
    Verbessern

    Aus den Ergebnissen Konsequenzen ziehen. Läuft ein Vorhaben nach der Auswertung unverändert weiter, war die Auswertung überflüssig.

Welche Missverständnisse gibt es bei der Wirkungsmessung?

Fünf Verwechslungen tauchen in fast jedem Wirkungsbericht auf. Sie lassen sich alle an einer einzigen Frage erkennen: Beschreibt die Aussage eine Tätigkeit oder eine Veränderung bei Menschen?

Fünf häufige Missverständnisse und was jeweils tatsächlich gilt
AnnahmeWas tatsächlich gilt
Wirkung ist dasselbe wie Leistung„Zwölf Workshops durchgeführt“ ist ein Output. Ob danach jemand etwas anders macht, steht damit nicht fest.
Mehr Indikatoren bedeuten mehr ErkenntnisZwei belastbare Kennzahlen je Stufe tragen weiter als zwanzig, die niemand erhebt.
Wirkung muss kausal bewiesen werdenFür kleine Vorhaben ist der plausible, offengelegte Zusammenhang das erreichbare Ziel.
Wirkungsorientierung ist ein KontrollinstrumentWer sie zur Rechtfertigung nutzt, bekommt geschönte Berichte. Ihr Nutzen liegt im Lernen während der Umsetzung.
Alles Wichtige ist zählbarWas sich nicht messen lässt, gehört beschrieben und als nicht gemessen gekennzeichnet.

Was ein Wirkungsbericht beantworten sollte

Drei Fragen tragen jeden Bericht: Was hat sich verändert? Woran könnte es außer dem Vorhaben noch liegen? Und was wissen wir weiterhin nicht? Die dritte Frage ist die unbequemste. Sie verschafft den Antworten auf die ersten beiden Glaubwürdigkeit.

Wo fange ich mit Wirkungsorientierung an?

Der Einstieg gelingt über ein einziges konkretes Vorhaben, nicht über ein Gesamtkonzept. Schreiben Sie für dieses eine Vorhaben die Wirkungslogik auf, wählen Sie zwei Indikatoren und legen Sie fest, wer wann erhebt.

Frei nutzbar, ohne Anmeldung

Werkzeuge zum Ausprobieren

Bauen Sie die Wirkungslogik in vier Schritten auf, formulieren Sie daraus prüfbare Wirkungsziele und übertragen Sie beides in einen Logframe. Die Eingaben bleiben im Browser.

Wirkungslogik → Wirkungsziele → Logframe →

Quellen und weiterführende Angebote

Diese Seite fasst verbreitete Grundlagen zusammen. Die folgenden Angebote gehen deutlich tiefer und sind ebenfalls frei zugänglich.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Wirkungsorientierung in Gemeinden und Non-Profit-Organisationen

Wirkungsorientierung ist eine Arbeitsweise, die ein Vorhaben von der angestrebten Veränderung her plant und steuert statt von der Maßnahme her. Sie beginnt mit der Frage, was für wen anders sein soll, wenn das Vorhaben abgeschlossen ist. Erst danach wird entschieden, welche Leistungen dafür nötig sind und woran sich die Veränderung erkennen lässt.

In einer Gemeinde führt das meist zu günstigeren Lösungen, weil zu einem Ziel mehrere Wege offenstehen, zu einer beschlossenen Maßnahme dagegen nur einer.

Output ist das, was eine Organisation herstellt: Beratungen, Veranstaltungen, Materialien, geschaffene Zugänge. Outcome ist die Veränderung bei den erreichten Menschen, also Wissen, Fähigkeiten, Verhalten oder Lebenslage. Impact ist die weiterreichende Veränderung im Umfeld, etwa in einem Ort oder einem Politikfeld.

Die Wirkung eines einzelnen Projekts liegt auf der Outcome-Ebene; der Impact lässt sich einem einzelnen Vorhaben fast nie allein zurechnen. Die Abstufung im Einzelnen zeigt die Wirkungstreppe.

Zwei bis vier belastbare Indikatoren je Wirkungsziel reichen in der Regel aus. Entscheidend ist, dass zu jedem Indikator eine Definition, ein Ausgangswert, ein Erhebungszeitpunkt, eine Datenquelle und eine verantwortliche Person festgelegt sind.

Zwanzig Kennzahlen, die niemand erhebt, sagen weniger aus als drei, die jemand im Alltag mitschreibt. Zur Auswahl passender Indikatoren: Wirkungsmessung und Reporting.

Mit einem einzigen Vorhaben, zwei Indikatoren und einem Erhebungsrhythmus, der in bestehende Abläufe passt. Teuer ist selten die Messung selbst, sondern die nachträgliche Erhebung von Daten, die niemand eingeplant hat.

Wer die Wirkungslogik vor dem Projektstart aufschreibt, erhebt im laufenden Betrieb fast nebenbei. Eine Seite Bericht am Ende der Saison genügt für die Beratung im Gemeinderat. Ein durchgerechnetes Beispiel steht im Modellfall Kühle Orte.

Nein. Eine Wirkungslogik ist eine begründete Annahme darüber, wie Veränderung entstehen soll. Ein Nachweis verlangt zusätzlich Ausgangswerte, eine zweite Erhebung und eine Aussage darüber, was ohne das Vorhaben wahrscheinlich geschehen wäre.

Für kleine Vorhaben ist der plausible, offengelegte Zusammenhang das erreichbare Ziel; eine kausale Beweisführung ist es nicht. Die Kette selbst bauen Sie im Wirkungslogik-Generator.

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