Was Förderstellen wirklich lesen
Wer Förderanträge prüft, liest an einem Tag oft zwanzig oder mehr. Ein Antrag mit einer klaren Wirkungslogik auf einer Seite hat dabei einen Vorteil, den keine noch so sorgfältige Maßnahmenbeschreibung aufwiegt. Die Seite Wirkungsgeleitete Fördervergabe zeigt, wie ein Förderprogramm seine Kriterien und Formulare wirkungsorientiert gestaltet. Dieser Artikel zeigt die andere Seite desselben Vorgangs: wie Sie als Antragstellende die eigene Wirkungslogik in eine Bewerbung übersetzen, auch wenn das Formular selbst noch maßnahmenorientiert fragt.
Vier Bausteine, unabhängig vom Formular
Vier Elemente gehören in jeden wirkungsorientierten Antrag, gleich wie das Formular sie einsortiert.
| Baustein | Beantwortet die Frage | Umfang |
|---|---|---|
| Ausgangslage | Welches Problem, belegt mit welcher Zahl? | zwei bis drei Sätze |
| Zielgruppe und Wirkungsziel | Was soll sich bei wem ändern, bis wann? | ein Satz, prüfbar formuliert |
| Weg dorthin | Über welche Schritte führt die Maßnahme zum Ziel? | eine knappe Wirkungslogik, keine Maßnahmenliste |
| Prüfung | Woran und wann merken Sie, ob es gewirkt hat? | ein bis zwei Indikatoren mit Erhebungsweg |
Wie sich ein prüfbares Wirkungsziel formulieren lässt, zeigt Wirkungsziele formulieren. Ein Gerüst für die ganze Kette liefert der Wirkungslogik-Generator.
Ein Beispiel: derselbe Antrag, zwei Fassungen
Wir richten einen wöchentlichen Treffpunkt für ältere Menschen im Ortsteil ein, mit Kaffee, Vorträgen und Betreuung durch geschulte Freiwillige.
Beschreibt nur die Tätigkeit. Offen bleibt, was sich bei den Teilnehmenden ändern soll.
↓ verbessert
42 der rund 300 Personen über 75 Jahren im Ortsteil gelten laut Sozialsprengel als vereinsamungsgefährdet. Der wöchentliche Treffpunkt soll das erlebte Alleinsein bei mindestens der Hälfte davon innerhalb eines Jahres spürbar senken, gemessen an einer kurzen Befragung zu Projektbeginn und nach zwölf Monaten.
Nennt Ausgangswert, Zielgruppe, Zielgröße und Prüfweg in vier Sätzen.
Was Sie weglassen können
Die Durchführung selbst bekommt in den meisten Anträgen mehr Raum, als sie braucht. Wie ein Treffen organisiert wird oder wie ein Raum ausgestattet ist, interessiert eine wirkungsorientierte Prüfung weniger als die Frage, was sich bei wem dadurch ändern soll. Ein Absatz zur Durchführung reicht, wenn die Wirkungslogik davor klar steht.
Wenn das Formular noch nach Maßnahmen fragt
Fragt ein Formular ausdrücklich „Was tun Sie?“, lässt sich die Antwort trotzdem wirkungsorientiert anlegen. Ein einziger zusätzlicher Satz genügt: was sich am Ende bei der Zielgruppe verändert haben soll, und woran man es merken würde. Dieser Satz macht aus einer Tätigkeitsbeschreibung eine prüfbare Aussage, ohne das Formular zu sprengen oder gegen seine Vorgaben zu verstoßen.
Zahlen, die überzeugen, und solche, die schaden
Eine Zielmarke ohne Ausgangswert ist eine Behauptung. „15 Prozent mehr“ klingt konkret und sagt nichts, wenn niemand weiß, wovon 15 Prozent. Formulierungen wie „signifikante Verbesserung“ oder „spürbare Wirkung“ kosten Glaubwürdigkeit, weil sie sich später gegen jede beliebige Zahl behaupten lassen, auch gegen keine.
Drei häufige Fehler
- Das Ziel bleibt absichtlich vage. Wer sich nicht festlegt, kann später auch nicht daran gemessen werden, verliert damit aber die Möglichkeit, einen Erfolg zu belegen.
- Die Indikatoren fallen erst nach der Bewilligung. Ohne Ausgangswert bei Projektstart fehlt später die Vergleichsbasis für den Bericht.
- Die Wirkungslogik wird unverändert aus dem letzten Antrag übernommen. Ändert sich Zielgruppe oder Programm und die Logik nicht mit, fällt das den Prüfenden meist auf.
Wie es weitergeht
Wer die eigene Wirkungslogik einmal sauber aufgeschrieben hat, nutzt sie für jeden weiteren Antrag als Grundlage, nicht als Vorlage zum Abschreiben. Wie daraus am Ende ein Bericht wird, zeigt die Wirkungsbericht-Vorlage. Wie ein Förderprogramm selbst wirkungsorientiert prüft, zeigt Wirkungsgeleitete Fördervergabe.
