Was die Kennzahl ist
Der Social Return on Investment, kurz SROI, setzt den in Geld bewerteten gesellschaftlichen Nutzen eines Vorhabens ins Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln. Ein SROI von 3 : 1 bedeutet: Für jeden eingesetzten Euro entsteht nach dieser Rechnung ein gesellschaftlicher Wert von drei Euro.
Methodisch ist der SROI eine Kosten-Nutzen-Analyse, die auf soziale Vorhaben zugeschnitten ist. Darauf hat das Kompetenzzentrum für Nonprofit-Organisationen und Social Entrepreneurship der Wirtschaftsuniversität Wien früh hingewiesen: Neu ist weniger die Rechnung als ihre Anwendung auf Wirkungen, für die es keinen Marktpreis gibt. Genau dort liegen Stärke und Schwäche der Kennzahl.
Woher die Methode kommt
Entwickelt wurde der SROI Ende der 1990er-Jahre vom Roberts Enterprise Development Fund (REDF) in San Francisco, um die Arbeit von Sozialunternehmen zu bewerten; um 2000 wurde das Vorgehen erstmals dokumentiert. Verbreitet hat es sich vor allem über Großbritannien: Dort erschien 2009 mit Unterstützung der Regierung ein Leitfaden, der 2012 überarbeitet wurde. Die heutige Fachorganisation Social Value International hat das Vorgehen in acht Grundsätze gefasst, darunter „Beteiligte einbeziehen“, „Nur Wesentliches aufnehmen“ und „Nicht zu viel beanspruchen“.
Wie eine SROI-Analyse abläuft
Der britische Leitfaden gliedert die Analyse in sechs Schritte:
- 1
Rahmen festlegen und Beteiligte bestimmen
Welches Vorhaben, welcher Zeitraum, wer ist betroffen? Die Beteiligten werden befragt, nicht nur aufgezählt.
- 2
Wirkungen abbilden
Im Kern eine Wirkungslogik: von den Mitteln über die Leistungen zu den Veränderungen bei jeder Gruppe.
- 3
Wirkungen belegen und bewerten
Für jede Veränderung ein Indikator und ein Geldwert, oft über einen Stellvertreterwert, etwa eingesparte Leistungen oder vergleichbare Marktpreise.
- 4
Die eigene Wirkung herausrechnen
Abzüge für das, was ohnehin geschehen wäre, was andere beigetragen haben, was anderswo verdrängt wurde und wie schnell die Wirkung nachlässt.
- 5
Den SROI berechnen
Die bereinigten Werte über die Wirkungsdauer aufsummieren, abzinsen und durch die Investition teilen.
- 6
Berichten und nutzen
Ergebnisse und Annahmen offenlegen und in die Steuerung übernehmen.
Unterschieden wird zwischen der evaluativen Analyse, die rückblickend auf tatsächlich eingetretenen Wirkungen beruht, und der prognostischen, die vorab schätzt, welcher Wert entstehen würde, wenn die Ziele erreicht werden. Eine prognostische Zahl ist ein Planungswert, kein Beleg.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel
Ein Mentoringprogramm für arbeitsuchende Menschen kostet 60.000 Euro. Die Zahlen sind erfunden und stark vereinfacht; sie sollen zeigen, was die Abzüge aus Schritt 4 bewirken.
| Rechenschritt | Annahme | Wert |
|---|---|---|
| Bruttowirkung | 20 Teilnehmende finden Arbeit, je 9.000 Euro Wert im Jahr | 180.000 Euro |
| Deadweight | 40 Prozent hätten ohnehin eine Stelle gefunden | 108.000 Euro |
| Attribution | 25 Prozent gehen auf Arbeitsamt und Familie zurück | 81.000 Euro |
| Displacement | 10 Prozent der Stellen gehen anderen verloren | 72.900 Euro |
| Drop-off | Im zweiten Jahr wirkt nur noch die Hälfte | + 36.450 Euro |
| SROI | 109.350 Euro geteilt durch 60.000 Euro, ohne Abzinsung | rund 1,8 : 1 |
Ohne die Abzüge käme dieselbe Rechnung auf 6 : 1. Der Unterschied liegt ausschließlich in Annahmen, die sich mit guten Gründen auch anders treffen ließen. Deshalb sagt eine SROI-Zahl ohne offengelegte Annahmen fast nichts.
Was der SROI leistet
- Er zwingt zur Wirkungslogik. Ohne saubere Kette von den Mitteln zu den Veränderungen lässt sich nichts bewerten. Das ist oft der größte Ertrag der Analyse, noch vor der Zahl.
- Er macht Annahmen sichtbar. Die Abzüge aus Schritt 4 verlangen eine ausdrückliche Antwort auf die Frage, was ohne das Vorhaben geschehen wäre.
- Er spricht die Sprache von Geldgebern. Für Gespräche mit Haushaltsverantwortlichen oder Investierenden kann eine Zahl in Euro Türen öffnen, die eine Beschreibung nicht öffnet.
- Er taugt für den Vergleich mit sich selbst. Wiederholt dieselbe Organisation die Analyse mit denselben Annahmen, zeigt die Entwicklung, ob das Vorhaben besser oder schlechter wirkt.
Was der SROI nicht leistet
- Keinen Vergleich zwischen Organisationen. Unterschiedliche Stellvertreterwerte, Abzüge und Umfelder machen Zahlen verschiedener Analysen nicht vergleichbar. Die WU Wien hält einen streng vergleichenden Einsatz nur innerhalb derselben Organisation über die Zeit für möglich.
- Keine objektive Bewertung. Was ein gewonnenes Selbstvertrauen oder eine verhinderte Vereinsamung in Euro wert ist, bleibt eine Setzung. Wer andere Stellvertreterwerte wählt, bekommt eine andere Zahl.
- Keinen Platz für das Nichtbezifferbare. Beteiligung, Interessenvertretung oder Zusammenhalt lassen sich schwer in Geld fassen und fallen leicht aus der Rechnung, obwohl sie wichtig sein können.
- Keinen kleinen Aufwand. Eine seriöse Analyse braucht Befragungen, Daten und methodische Erfahrung. Für kleine Vorhaben steht der Aufwand selten im Verhältnis zum Nutzen.
Fünf Fragen an jede SROI-Zahl
Wer eine SROI-Zahl in einem Bericht oder Antrag liest, sollte sie mit fünf Fragen prüfen:
- Ist die Analyse evaluativ oder prognostisch?
- Welche Stellvertreterwerte wurden verwendet, und woher stammen sie?
- Wurden Deadweight, Attribution, Displacement und Drop-off angesetzt, und in welcher Höhe?
- Wurden die Beteiligten selbst befragt, oder beruhen die Wirkungen auf Annahmen?
- Wurde die Analyse von unabhängiger Seite geprüft?
Wo die Antworten fehlen, ist die Zahl eher Werbung als Beleg.
Wann sich eine SROI-Analyse lohnt
Eine SROI-Analyse lohnt sich bei größeren, länger laufenden Programmen, wenn ein Geldgeber ausdrücklich eine monetäre Bewertung verlangt oder wenn eine Organisation ihre Entwicklung über mehrere Jahre mit gleicher Methode verfolgen will. Für die meisten Vorhaben reicht und überzeugt etwas Einfacheres: eine klare Wirkungslogik, zwei bis vier belastbare Indikatoren und ein ehrlicher Bericht. Wie das geht, zeigen Wirkungsindikatoren finden und prüfen und die Wirkungsbericht-Vorlage. Welche Ebene eine SROI-Zahl überhaupt bewertet, klärt Output, Outcome, Impact; den Weg im Überblick zeigt die Leitseite Wirkungsorientierung.
Quellen
- Social Value International: A Guide to Social Return on Investment, überarbeitete Fassung 2012, mit den sechs Schritten und den Abzügen.
- Social Value International: Principles of Social Value, die acht Grundsätze.
- Rauscher, Schober, Millner (2012): Social Impact Measurement und Social Return on Investment (SROI)-Analyse, Working Paper, NPO & SE Kompetenzzentrum der WU Wien.
