Grundlagen

Theory of Change Schritt für Schritt

Eine Theory of Change klärt, auf welchem Weg eine Veränderung eintreten soll und worauf dieser Weg beruht. Diese Seite zeigt das Vorgehen in sechs Schritten, ein durchgerechnetes Beispiel und den Unterschied zu Wirkungslogik und Logframe.
Lesezeit 6 Minuten

Was eine Theory of Change ist

Eine Theory of Change beschreibt, wie und warum eine angestrebte Veränderung eintreten soll: welche Vorbedingungen dafür erfüllt sein müssen, in welcher Reihenfolge, und auf welchen Annahmen das beruht. Sie ist eine begründete Erzählung mit einem Schaubild, keine Tabelle und kein Maßnahmenplan.

Im deutschsprachigen Raum werden drei Begriffe oft gleichbedeutend verwendet, obwohl sie Verschiedenes leisten:

Begriff Was er zeigt Wofür er taugt
Theory of Change Den Weg zum Ziel mit allen Vorbedingungen, Annahmen und dem Umfeld Klären, ob ein Vorhaben überhaupt so wirken kann
Wirkungslogik Die Kette von Mitteln über Leistungen zu Wirkungen für ein Vorhaben Planen und Steuern des eigenen Projekts
Logframe Die Wirkungslogik als Matrix mit Indikatoren, Quellen und Annahmen Anträge und Berichte in einer vorgegebenen Form

Die Reihenfolge ist sinnvoll in dieser Richtung: Die Theory of Change klärt das Feld, die Wirkungslogik schneidet daraus das eigene Vorhaben heraus, die Logframe-Vorlage bringt es in Antragsform.

Woher der Begriff kommt

Bekannt gemacht hat ihn die Evaluationsforscherin Carol H. Weiss Mitte der 1990er-Jahre. Ihr Befund war, dass viele Programme scheitern oder nicht auswertbar sind, weil niemand ausgesprochen hat, auf welchem Weg sie wirken sollen. Seither hat sich ein Vorgehen durchgesetzt, das vom Ziel aus rückwärts plant. Der Begriff wird inzwischen auch im Deutschen meist englisch verwendet.

In sechs Schritten zur Theory of Change

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    Das langfristige Ziel festlegen

    Eine Veränderung bei Menschen oder in ihrem Umfeld, nicht eine Leistung. Sie darf größer sein als das, was Ihr Vorhaben allein erreicht, muss aber konkret genug sein, dass man später sagen kann, ob sie eingetreten ist.

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    Rückwärts denken

    Fragen Sie vom Ziel aus immer wieder: Was muss vorher der Fall sein, damit das eintritt? So entsteht eine Folge von Vorbedingungen, bis Sie beim heutigen Stand angekommen sind. In dieser Phase noch keine Maßnahmen nennen.

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    Die Annahmen aussprechen

    Zu jedem Übergang ein Satz: Warum sollte das eine zum anderen führen? Markieren Sie die Annahmen, bei denen Sie sich am wenigsten sicher sind. Sie sind der wichtigste Ertrag der ganzen Übung.

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    Die eigenen Beiträge zuordnen

    Erst jetzt kommen Maßnahmen dazu: Welche Vorbedingung schaffen Sie selbst, welche schaffen andere, welche liegt außerhalb jeder Reichweite? Diese Aufteilung schützt vor Versprechen, die niemand halten kann.

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    Die kritischen Stellen messbar machen

    Nicht jede Vorbedingung braucht einen Indikator. Wählen Sie die zwei oder drei Übergänge, an denen die Kette am ehesten reißt, und legen Sie dort fest, woran Sie es rechtzeitig merken.

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    Aufschreiben und prüfen lassen

    Ein Schaubild allein erklärt nichts. Eine Seite Text, die den Weg in ganzen Sätzen erzählt, macht Lücken sichtbar. Lassen Sie sie von jemandem lesen, der die Zielgruppe kennt, aber nicht am Vorhaben beteiligt ist.

Ein Beispiel: ehrenamtliche Energieberatung

Ein Verein will einkommensschwache Haushalte bei den Energiekosten entlasten. Die Theory of Change, vom Ziel aus rückwärts gelesen, sieht so aus:

Langfristiges Ziel

Haushalte mit geringem Einkommen zahlen dauerhaft weniger für Strom und Heizung.

Annahme: Die Einsparung wird nicht durch höhere Preise vollständig aufgezehrt.

↑ setzt voraus

Vorbedingung

Die Haushalte setzen mindestens zwei wirksame Maßnahmen um und behalten sie bei.

Annahme: Kleine Maßnahmen wie Heizkörperthermostate oder Kühlschranktausch sind für Mietende überhaupt möglich.

↑ setzt voraus

Vorbedingung

Die Haushalte wissen, welche Maßnahmen bei ihnen wirken, und können sie bezahlen.

Annahme: Ein Zuschuss für Kleingeräte ist verfügbar; ohne ihn bleibt es beim Wissen.

↑ setzt voraus

Vorbedingung

Die Beratung erreicht genau diese Haushalte, und sie lassen jemanden in die Wohnung.

Annahme: Der Zugang über Sozialberatung und Tafel schafft das nötige Vertrauen.

↑ setzt voraus

Ausgangspunkt

Geschulte Ehrenamtliche und zwei Partner, die Haushalte vermitteln.

Beitrag des Vereins: Schulung, Koordination, Zuschussabwicklung.

An diesem Beispiel zeigt sich, was die Methode leistet: Die kritische Stelle ist nicht die Beratung, sondern der Zugang und der Zuschuss. Ohne die ausgesprochene Annahme hätte der Verein vermutlich nur die Zahl der Beratungen gezählt, also einen Output, und die eigentliche Schwachstelle übersehen. Den Unterschied der Ebenen zeigt Output, Outcome, Impact.

Drei häufige Fehler

  • Zu früh bei den Maßnahmen. Wer mit „Wir bieten Beratung an“ beginnt, baut die Theorie um das Angebot herum, statt das Angebot aus der Theorie abzuleiten.
  • Annahmen als Wunschliste. „Die Zielgruppe ist motiviert“ ist keine Annahme, die man prüfen kann. Brauchbar ist, was sich als falsch herausstellen könnte.
  • Nur ein Schaubild. Pfeile zwischen Kästchen sehen schlüssig aus, auch wenn sie es nicht sind. Erst der Text zwingt dazu, jeden Pfeil zu begründen.

Die Theory of Change im Förderantrag

Immer mehr Stiftungen und Programme fragen ausdrücklich nach einer Theory of Change. Gemeint ist in der Regel eine Seite Text und ein Schaubild, keine wissenschaftliche Abhandlung. Drei Dinge prüfen Gutachterinnen und Gutachter dabei fast immer: ob das Ziel eine Veränderung bei Menschen beschreibt, ob die Übergänge begründet sind, und ob der Antrag offen sagt, welche Vorbedingungen andere schaffen müssen.

Gerade der dritte Punkt wird oft ausgelassen, weil er das eigene Vorhaben kleiner erscheinen lässt. Das Gegenteil ist der Fall: Ein Antrag, der seinen Beitrag sauber vom Beitrag anderer trennt, wirkt belastbarer als einer, der die ganze Veränderung für sich beansprucht. Wie sich daraus prüfbare Ziele ableiten lassen, steht unter Wirkungsziele formulieren.

Wann sich der Aufwand lohnt

Eine vollständige Theory of Change lohnt sich bei neuen Vorhaben, bei Programmen mit mehreren Partnern und immer dann, wenn eine Förderung von der Plausibilität des Wirkungswegs abhängt. Für ein kleines, eingespieltes Angebot genügt meist die Wirkungslogik. Als Faustregel für den Zeitaufwand: ein halber Tag mit drei bis fünf Beteiligten für den ersten Entwurf, danach eine Überarbeitungsrunde nach zwei Wochen.

Den Weg von der Idee bis zum Bericht im Überblick zeigt die Leitseite Wirkungsorientierung. Wer den Teil für das eigene Vorhaben direkt aufschreiben möchte, beginnt im Wirkungslogik-Generator.

Vom Schaubild zur eigenen Kette

Der Generator führt vom Ziel zu den Leistungen und fragt dabei nach den Annahmen zwischen den Stufen. Ohne Anmeldung, die Eingaben bleiben im Browser.