Die sieben Stufen
Die Treppe stammt aus dem Kursbuch Wirkung von PHINEO und dient im deutschsprachigen Raum als gemeinsame Sprache. Die Stufen eins bis drei beschreiben Leistungen, vier bis sechs die Veränderung bei Menschen, Stufe sieben die Veränderung im System.
Stufe 1: Die Aktivitäten finden statt
Der Kurs wird gehalten, die Beratung findet statt, das Gebäude entsteht. Auf dieser Ebene legen Sie Rechenschaft über die Mittelverwendung ab, mehr nicht.
Stufe 2: Die Zielgruppe wird erreicht
Menschen kommen, melden sich an, nutzen das Angebot. Hier stellt sich die Frage, ob die Erreichten tatsächlich Ihre geplante Zielgruppe sind. Oft kommen die, die ohnehin gut versorgt sind.
Stufe 3: Die Zielgruppe ist zufrieden
Die Rückmeldungen fallen positiv aus, die Bewertung stimmt. Zufriedenheit deutet auf Qualität hin und belegt keine Veränderung. Ein Kurs kann gut gefallen und trotzdem nichts ändern.
Stufe 4: Die Zielgruppe hat etwas gelernt
Wissen, Fähigkeiten oder Haltungen haben sich verändert. Ab hier beginnt Wirkung im engeren Sinn. Belegen können Sie das mit einer Erhebung vor und nach der Maßnahme, nicht mit einem Zufriedenheitsbogen.
Stufe 5: Die Zielgruppe ändert ihr Handeln
Menschen tun etwas anders als vorher. Diese Stufe bildet den Kern der Wirkungsmessung, und sie taucht in Berichten am seltensten auf, weil sie Aufwand kostet.
Stufe 6: Die Lebenslage der Zielgruppe ändert sich
Das geänderte Handeln schlägt auf Einkommen, Gesundheit, Teilhabe oder Wohnsituation durch. Hier wirken bereits viele Faktoren mit, die Zurechnung wird schwieriger.
Stufe 7: Die Gesellschaft verändert sich
Veränderung auf Systemebene: im Ort, in der Branche, im Politikfeld. Auf dieser Stufe leistet ein einzelnes Projekt einen Beitrag und führt keinen Nachweis.
Wo die meisten Berichte stehen bleiben
Die Berichterstattung endet meist auf Stufe zwei oder drei, bei Teilnehmerzahlen und Zufriedenheitswerten. Der Grund ist selten Unwille. Ab Stufe vier brauchen Sie eine Erhebung, und die muss vor Projektbeginn geplant sein.
Wer nachträglich auf Stufe fünf berichten will, hat keinen Ausgangswert und kann die Veränderung nicht belegen. Deshalb gehört die Frage nach der Zielstufe an den Anfang der Konzeption.
Welche Stufe ist realistisch?
Das hängt an Laufzeit und Budget. Ein Projekt über zwölf Monate mit 40.000 Euro belegt Stufe vier, wenn es die Erhebung von Anfang an mitplant. Für Stufe fünf brauchen Sie meist zwei Jahre und eine Zweiterhebung. Stufe sechs und sieben sind Beitragsaussagen, keine Nachweise.
Entscheidend ist der Abgleich: Ein Projekt, das Stufe sieben verspricht und Stufe zwei misst, verliert in der Bewertung Punkte. Eine ehrliche Stufe vier, die Sie auch belegen, bringt mehr.
Missverständnisse
- Die Treppe wertet nicht. Ein Angebot, das auf Stufe zwei bleibt, kann sinnvoll sein. Nur sollte es sich nicht als Stufe sechs verkaufen.
- Höher ist nicht automatisch besser. Wer für eine Notschlafstelle Systemwirkung nachweisen will, misst am Zweck vorbei.
- Die Stufen sind keine Projektphasen. Sie beschreiben Ebenen und laufen parallel.
- Zufriedenheit ersetzt keine Verhaltensänderung, auch nicht in großer Zahl.
