Was ein Wirkungsindikator ist
Ein Wirkungsindikator ist ein beobachtbares Zeichen dafür, dass bei der Zielgruppe eine angestrebte Veränderung eingetreten ist. Er ist nicht die Wirkung selbst, sondern ihr Stellvertreter. Deshalb kommt es weniger auf die Zahl an als darauf, ob sie wirklich für das steht, was Sie erreichen wollen.
Zu unterscheiden sind zwei Arten: Leistungsindikatoren zählen, was Sie tun und herstellen, etwa Beratungen oder Teilnehmende. Wirkungsindikatoren zeigen, was sich bei den Menschen ändert, etwa ob sie etwas können, tun oder anders erleben als vorher. Beide werden gebraucht, aber nur die zweite Art belegt Wirkung. Die Abgrenzung im Einzelnen zeigt Output, Outcome, Impact.
Vom Ziel zum Indikator in drei Fragen
Gute Indikatoren entstehen aus dem Wirkungsziel, nicht aus den vorhandenen Daten. Drei Fragen führen verlässlich hin:
- 1
Was sähe man, wenn das Ziel erreicht wäre?
Beschreiben Sie die Veränderung so konkret, dass jemand sie beobachten könnte. „Mehr Selbstvertrauen“ ist nicht beobachtbar, „meldet sich im Unterricht von sich aus zu Wort“ schon.
- 2
Wer bemerkt es zuerst?
Die Betroffenen selbst, Angehörige, Lehrkräfte, eine Behörde? Wer die Veränderung zuerst sieht, ist meist die beste Datenquelle.
- 3
Was davon lässt sich zählen oder erfragen?
Erst jetzt entscheiden Sie, ob Sie zählen, fragen oder beobachten. Oft reicht eine einzige gut gestellte Frage an die Zielgruppe zu zwei Zeitpunkten.
Wie das Wirkungsziel selbst formuliert sein muss, damit sich daraus Indikatoren ableiten lassen, steht unter Wirkungsziele formulieren.
Das Prüfraster: sechs Fragen an jeden Indikator
| Kriterium | Prüffrage | Warnzeichen |
|---|---|---|
| Passung | Steht der Wert für die Veränderung im Ziel? | Er misst Ihre Tätigkeit |
| Empfindlichkeit | Bewegt er sich, wenn das Vorhaben wirkt? | Er ändert sich erst nach Jahren |
| Erhebbarkeit | Können Sie ihn mit Ihren Mitteln erheben? | Niemand ist zuständig |
| Robustheit | Lässt er sich schwer schönen? | Mehr Arbeit verbessert ihn allein |
| Ausgangswert | Kennen Sie den Wert vor dem Start? | Er wird erst am Ende erhoben |
| Verständlichkeit | Versteht ein Gremium ihn ohne Erklärung? | Er braucht eine Fußnote |
Ein Indikator muss nicht alle sechs Fragen perfekt bestehen. Fällt er aber bei Passung oder Ausgangswert durch, taugt er nicht als Wirkungsindikator, so bequem er zu erheben sein mag.
Ein Indikator wird besser: drei Fassungen
Ein Jugendzentrum bietet Bewerbungstrainings an. Das Wirkungsziel: Jugendliche ohne Ausbildungsplatz finden leichter den Einstieg in eine Ausbildung.
Zahl der Teilnehmenden am Bewerbungstraining.
Ein Leistungsindikator. Er steigt, wenn mehr Werbung gemacht wird, und sagt nichts darüber, ob jemand leichter einen Platz findet.
↓ verbessert
Anteil der Teilnehmenden, die innerhalb von sechs Monaten zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurden.
Jetzt eine Veränderung bei den Jugendlichen. Es fehlen aber Ausgangswert, Quelle und Zuständigkeit.
↓ verbessert
Anteil der Teilnehmenden mit mindestens einem Vorstellungsgespräch innerhalb von sechs Monaten nach dem Training; Ausgangswert aus dem Vorjahr 18 Prozent, Ziel 40 Prozent.
Quelle: kurze Nachfrage per Nachricht nach drei und sechs Monaten. Zuständig: die Jugendarbeiterin, die das Training leitet.
Die belastbare Fassung ist länger, aber sie lässt sich am Ende eindeutig beantworten. Dass Einladungen auch vom Arbeitsmarkt abhängen, gehört als Annahme dazu und in den Bericht, nicht unter den Tisch.
Beispiele nach Handlungsfeld
Die folgenden Vorschläge sind Ausgangspunkte, keine Standardliste. Jeder muss zum eigenen Ziel passen und das Prüfraster bestehen.
| Feld | Wirkungsziel | Möglicher Indikator |
|---|---|---|
| Bildung | Kinder lesen flüssiger | Gelesene Wörter pro Minute bei einem gleichbleibenden Text, Herbst und Frühjahr |
| Nachbarschaft | Ältere Menschen sind weniger allein | Anteil, der angibt, im Ort jemanden um Hilfe bitten zu können |
| Beteiligung | Jugendliche gestalten mit | Zahl der von Jugendlichen selbst beantragten und umgesetzten Teilprojekte |
| Nahversorgung | Haushalte ohne Auto versorgen sich im Ort | Anteil dieser Haushalte mit regelmäßigem Wocheneinkauf im Ort |
| Energie | Haushalte senken ihre Energiekosten | Verbrauch laut Jahresabrechnung vor und nach der Beratung |
Wenn sich etwas nicht zählen lässt
Vertrauen, Zugehörigkeit oder Entlastung lassen sich selten sauber beziffern. Dafür gibt es zwei ehrliche Wege. Der erste ist eine Selbsteinschätzung auf einer festen Skala, zu zwei Zeitpunkten mit derselben Frage gestellt, etwa „Wie sicher fühlen Sie sich, bei Problemen jemanden im Ort anzusprechen?“ von eins bis fünf. Der zweite sind kurze Beobachtungen oder Gespräche nach einem festgelegten Muster, deren Ergebnisse beschrieben statt gezählt werden.
Was sich weder so noch so erfassen lässt, gehört als nicht gemessen gekennzeichnet in den Bericht. Ein erfundener Ersatzwert schadet der Glaubwürdigkeit der übrigen Zahlen mehr, als eine offene Lücke es tut.
Vier häufige Fehler
- Der Indikator folgt den vorhandenen Daten. Was sich leicht zählen lässt, wird genommen, auch wenn es am Ziel vorbeigeht.
- Zielwert ohne Ausgangswert. „80 Prozent zufrieden“ sagt nichts, solange niemand weiß, wie viele es vorher waren.
- Zu spät gemessen. Ein Indikator, der sich erst nach Projektende bewegt, hilft bei der Steuerung nicht. Ergänzen Sie einen frühen Zwischenwert.
- Niemand ist zuständig. Ohne Namen neben dem Indikator findet die zweite Erhebung erfahrungsgemäß nicht statt.
Wie viele Indikatoren?
Zwei bis vier je Wirkungsziel reichen fast immer. Bewährt hat sich eine Mischung: ein Wert, den Sie zählen können, und eine Frage an die Zielgruppe, die die Veränderung aus deren Sicht erfasst. Wer mehr aufstellt, erhebt am Ende meist keinen davon sorgfältig.
Für jeden Indikator gehören fünf Angaben fest: Definition, Ausgangswert, Zeitpunkte, Quelle und Zuständigkeit. Wie sie im Zusammenhang aussehen, zeigt die Leitseite Wirkungsorientierung im Abschnitt zu Indikatoren; in Antragsform bringt sie die Logframe-Vorlage. Wie sich die Werte im laufenden Betrieb erheben und darstellen lassen, steht unter Wirkungsmessung und Reporting.
