Wirkung

Mehr Wirkung für öffentliche Mittel

Wenn die Kassen knapp werden, greifen Verwaltungen fast reflexhaft zum gleichen Instrument: der pauschalen Kürzung. Alle Ressorts geben zwei Prozent ab, quer über alle Titel. Das ist schnell entschieden und politisch bequem. Es trifft das wirksamste Programm allerdings genauso hart wie das überflüssigste. Spending Reviews setzen an genau dieser Stelle an.

Was ein Spending Review leistet

Ein Spending Review ist eine systematische Überprüfung bestehender Ausgaben mit einer einzigen Leitfrage: Erreicht dieses Geld, wofür es gedacht war? Das Instrument stammt aus der angelsächsischen Haushaltspraxis, wurde von der OECD als Standard empfohlen und wird in Deutschland seit den 2010er-Jahren im Rahmen der Haushaltsaufstellung des Bundes eingesetzt.

Entscheidend ist die Blickrichtung. Der klassische Haushalt fragt: Wie viel geben wir wofür aus? Ein Review fragt: Was ist dabei herausgekommen, und hätten wir dasselbe Ziel günstiger oder besser erreichen können? Ein Review kann deshalb genauso zum Ergebnis kommen, dass ein Programm mehr Mittel braucht, weil es unter einer kritischen Schwelle arbeitet.

Pauschale Kürzung Alle geben gleich viel ab, unabhängig von der Wirkung. −2 % · −2 % · −2 % Spending Review Erst prüfen, dann entscheiden, je nach Befund. gekürzt · aufgestockt · unverändert Mittel entzogen Mittel ergänzt
Der Unterschied liegt darin, woher die Sparsumme kommt.

Wie ein Review abläuft

In der Praxis folgt ein Spending Review meist vier Phasen. Sie klingen unspektakulär, aber jede einzelne entscheidet darüber, ob am Ende eine belastbare Empfehlung steht oder ein Papier, das niemand ernst nimmt.

1 Abgrenzen Welche Titel, welcher Zeitraum? 2 Ziele klären Wofür war das Geld ursprünglich gedacht? 3 Belege sammeln Daten, Evaluationen, Praxiserfahrung 4 Entscheiden Optionen mit Konsequenzen
Die zweite Phase ist die unbequemste. An ihr scheitern die meisten Reviews.

Der wunde Punkt: Wofür war das Geld eigentlich gedacht?

Wer bestehende Ausgaben prüfen will, braucht einen Maßstab. Genau der fehlt in vielen Fällen. Ein Programm wurde vor zwölf Jahren aufgelegt, die politische Begründung steht in einer Kabinettsvorlage, messbare Ziele wurden nie formuliert. Der Review-Auftrag lautet dann faktisch: Bewerten Sie den Erfolg von etwas, das nie definiert hat, was Erfolg wäre.

Das ist der Hauptgrund, warum Reviews häufig in Aktivitätsberichten enden: So viele Anträge bearbeitet, so viele Mittel abgeflossen, so viele Maßnahmen durchgeführt. Alles davon ist zählbar, und nichts davon sagt, ob sich für die Zielgruppe etwas verändert hat.

Ein Programm ohne formulierte Wirkungsziele lässt sich nicht seriös überprüfen. Es lässt sich nur beschreiben.Die praktische Konsequenz: Wirkungslogik gehört an den Anfang eines Programms.
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Genau diesen Maßstab in vier Schritten selbst erstellen: Ausgangslage, Aktivitäten, Leistungen, Wirkung. Mit Beispielen daneben und einem Ergebnis, das Sie als PDF mitnehmen. Kostenfrei, ohne Anmeldung.

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Leistung und Wirkung

Die begriffliche Unterscheidung wirkt akademisch, entscheidet aber über die Qualität jedes Reviews. Leistungen sind das, was eine Verwaltung produziert und selbst hochfahren kann: Beratungen, Bescheide, Maßnahmen, Teilnahmeplätze. Wirkungen sind Veränderungen bei den Menschen, für die das Programm gemacht wurde.

AktivitätWir führen Beratungen durch.
LeistungVierhundert Personen wurden beraten.
WirkungBeratene finden schneller eine Anschlusslösung.

Die Faustregel: Wenn ein Wert allein dadurch steigt, dass mehr gearbeitet wird, ist es eine Leistung. Wirkung hängt immer auch davon ab, ob die Annahme stimmt, dass die Leistung bei den Menschen ankommt und dort etwas verändert.

Was ein guter Review liefert

  • Optionen statt Urteile: drei Handlungswege mit ihren jeweiligen Folgen, einschließlich der Option, nichts zu ändern.
  • Eine offengelegte Datenlage. Wo die Belege dünn sind, steht das im Bericht. Ein Review, der überall gleich sicher klingt, ist unehrlich.
  • Benannte Annahmen. Jede Wirkungskette beruht auf Annahmen. Wer sie ausspricht, macht sie überprüfbar.
  • Anschluss an die Steuerung. Ein Ergebnis, das nicht in den Haushaltsaufstellungsprozess zurückfließt, bleibt Papier.

Vier Fallen aus der Praxis

Der Review als Sparauftrag: Wenn die Zielmarke vorher feststeht, wird die Prüfung zur Suche nach Begründungen. Die Ergebnisse sind dann politisch verwertbar und fachlich wertlos.

Zu breite Abgrenzung: „Wir prüfen die gesamte Sozialpolitik“ führt zu einem Bericht, der alles streift und nichts klärt. Enger schneiden, dafür belastbar.

Kein Zugang zu Daten: Wenn die Fachebene nicht mitzieht, gibt es keine verwertbaren Zahlen. Ihre Beteiligung ist Voraussetzung.

Der Bericht ohne Adressat: Ein Review braucht von Anfang an jemanden, der die Entscheidung tatsächlich treffen kann und will.

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Indikatoren finden

Eine durchsuchbare Sammlung nach Handlungsfeld: was tatsächlich gemessen wurde, mit welchem Erhebungsaufwand, und was sich im Nachhinein als untauglich erwiesen hat. Öffnet mit der Werkstatt.

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Zwei Voraussetzungen

Spending Reviews sind ein Steuerungsinstrument. Sie funktionieren, wenn zwei Dinge vorhanden sind: ein Maßstab, an dem sich Erfolg messen lässt, und die Bereitschaft, das Ergebnis auch dann zu akzeptieren, wenn es unbequem ausfällt. Der Maßstab lässt sich nachträglich erarbeiten. Besser ist, ihn von Anfang an mitzudenken. Genau dazu ist die Wirkungslogik da.

Was das für kleinere Verwaltungen heißt

Spending Reviews werden meist auf Bundes- oder Landesebene diskutiert. Das Prinzip funktioniert genauso in einer Gemeinde mit einem Fördertopf von 80.000 Euro, nur in kleinerem Maßstab. Die Fragen bleiben dieselben: Wofür war das Geld gedacht? Woran würden wir merken, dass es gewirkt hat? Und was wüssten wir gern, bevor wir nächstes Jahr wieder denselben Betrag beschließen? Den Ablauf für die kommunale Ebene beschreibt die Seite Spending Review in der Kommune.

Der kleine Review an einem Nachmittag

Nehmen Sie einen einzigen Fördertitel. Schreiben Sie in einem Satz auf, welches Problem er lösen sollte. Listen Sie die Aktivitäten, die davon bezahlt wurden. Notieren Sie daneben, was sich dadurch bei wem verändert haben soll. Und markieren Sie jede Zeile, für die Sie keinen einzigen Beleg haben.

Was übrig bleibt, ist eine ehrliche Grundlage für das nächste Gespräch, und meist eine Überraschung.

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