Bildung mit Wirkung
Bildungsangebote werden fast durchgehend über zwei Zahlen berichtet: wie viele teilgenommen haben und wie zufrieden sie waren. Beide Zahlen sind leicht zu erheben und sehen gut aus. Keine von beiden sagt, ob jemand hinterher etwas anders macht. Ein Seminar kann hervorragend bewertet werden und folgenlos bleiben.
Warum Zufriedenheit nichts belegt
Zufriedenheitsbögen messen die Qualität der Veranstaltung: Raum, Verpflegung, Vortragsstil, Verständlichkeit. Das ist nützlich für die Qualitätssicherung und sagt nichts über Lernen aus. Wer am Freitagnachmittag einen unterhaltsamen Referenten erlebt hat, gibt gute Noten, unabhängig davon, ob am Montag etwas davon in die Arbeit einfließt.
Auf der Wirkungstreppe liegt Zufriedenheit auf Stufe drei. Lernen beginnt auf Stufe vier, verändertes Handeln auf Stufe fünf. Der Sprung von drei auf vier ist der, an dem die meisten Bildungsberichte stehen bleiben, weil er eine zweite Erhebung verlangt.
Indikatoren, die für Bildungsangebote taugen
Brauchbare Indikatoren beschreiben etwas, das die Teilnehmenden nach der Veranstaltung tun oder können. Sie lassen sich vor und nach dem Angebot mit demselben Instrument erheben.
- Anteil der Teilnehmenden, die eine konkrete Aufgabe aus dem Seminarstoff korrekt lösen, vorher und nach zwölf Wochen.
- Zahl der Personen, die eine im Seminar geplante Maßnahme innerhalb von drei Monaten tatsächlich begonnen haben.
- Selbsteinschätzung auf einer fünfstufigen Skala zu drei klar benannten Fähigkeiten, nicht zum Gesamteindruck.
- Zahl der Fälle, in denen ein neues Verfahren angewendet wurde, aus dem regulären Dokumentationssystem gezählt.
- Bei Schulen: Anteil der Schülerinnen und Schüler, die eine bestimmte Kompetenz in einer standardisierten Aufgabe erreichen, im Jahresvergleich.
Untauglich sind dagegen Angaben wie „die Sensibilisierung ist gelungen“ oder „das Bewusstsein wurde gestärkt“. Beides lässt sich weder belegen noch widerlegen.
Nachweis mit kleinen Gruppen
Der häufigste Einwand lautet, dass bei zwölf Teilnehmenden keine belastbare Messung möglich sei. Das stimmt für Prozentrechnungen und Signifikanztests. Für die Frage, ob sich etwas verändert hat, stimmt es nicht.
Zwei Verfahren funktionieren auch bei kleinen Gruppen. Das erste ist die nachträgliche Vorher-Einschätzung: Die Teilnehmenden bewerten am Ende beides, den heutigen Stand und rückblickend den Stand vor der Maßnahme. Das umgeht den Effekt, dass Menschen vor einer Schulung ihr Können überschätzen, weil sie noch nicht wissen, was sie nicht wissen. Das zweite sind sechs bis zehn strukturierte Kurzinterviews drei Monate später, mit derselben Frageliste für alle.
Bei kleinen Gruppen gilt: Nennen Sie absolute Zahlen. Bei zwölf Befragten schreiben Sie „neun von zwölf“ statt „75 Prozent“. Der Prozentwert suggeriert eine Genauigkeit, die bei dieser Gruppengröße nicht vorhanden ist.
Berichten, steuern, lernen
Der Transfer in den Arbeitsalltag
In der betrieblichen Weiterbildung liegt das Problem selten im Seminar. Es liegt darin, dass die Teilnehmenden am Montag in eine Umgebung zurückkehren, die unverändert ist. Wer das Gelernte anwenden will, braucht dafür Zeit, eine Erlaubnis und meist eine geänderte Routine. Nichts davon entsteht durch das Seminar selbst.
Was messbar hilft, ist eine Transfervereinbarung vor der Teilnahme: Die Teilnehmenden schreiben mit ihrer Führungskraft auf, welche eine Sache sie nach der Schulung anders machen werden und woran beide es in drei Monaten erkennen. Der Aufwand beträgt zwanzig Minuten. Er verschiebt die Verantwortung für den Transfer von der Bildungsabteilung dorthin, wo die Arbeitsbedingungen gestaltet werden.
Wirkungslogik für ein Bildungsangebot
Zielgruppe, Leistungen, angestrebte Veränderung und Indikatoren in vier Schritten klären, mit Erklärung und Beispiel je Schritt. Ergebnis als PDF, ohne Anmeldung.
Pädagogische Konzepte in Schulen
Viele Schulen haben ein pädagogisches Konzept, das vor Jahren erstellt wurde und seither auf der Website liegt. Es beschreibt Haltungen und Absichten, selten überprüfbare Ziele. Damit bleibt es eine Selbstbeschreibung.
Der Unterschied entsteht an einer Stelle: Wenn zu jedem Schwerpunkt eine Frage steht, an der sich im nächsten Schuljahr ablesen lässt, ob er wirkt. Bei einem Schwerpunkt zur Leseförderung könnte das der Anteil der Kinder sein, die eine standardisierte Leseaufgabe erreichen, verglichen mit dem Vorjahr. Bei einem Schwerpunkt zur Beteiligung die Zahl der von Schülerinnen und Schülern eingebrachten und umgesetzten Vorschläge.
Der Nebeneffekt ist wichtiger als die Zahl: Ein Konzept mit Prüffragen wird einmal im Jahr angesehen. Ein Konzept ohne Prüffragen wird bei der nächsten Schulinspektion angesehen.
Ein Vorgehen für das nächste Seminar
Wählen Sie eine einzige Fähigkeit aus, die das Seminar vermitteln soll. Formulieren Sie eine Aufgabe, an der sich zeigt, ob jemand sie beherrscht. Lassen Sie diese Aufgabe zu Beginn bearbeiten, ohne Bewertung, und noch einmal nach zwölf Wochen.
Sie erhalten zwei Zahlen und eine Aussage, die über jeden Zufriedenheitsbogen hinausgeht. Der Aufwand beträgt eine Stunde für die Aufgabenerstellung und zweimal zehn Minuten Seminarzeit.
